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Interview mit dem Cover-Designer

Street-Art-Künstler BUSK

Was fasziniert Dich an Street Art? Zum Einen der spontane Zugang - man geht raus, hat das Material schon dabei, impulsiv wird dieses in das Stadtbild iniziert. Das ist eine Art wie Action-Painting. Es gibt keinen Masterplan. Dieses Stadterlebnis wird dann so intensiv, das ist mit nichts vergleichbar. Zum Anderen der inhaltlich konzeptionelle Zugang, die Auseinandersetzung mit ortspezifischen Flächen. Worauf ich jedoch bei Graffiti aufmerksam wurde, ist die Schönheit der Typographie: ich entwerfe Schriften, das ist meine große Leidenschaft. Das ist fast schon Bildhauerei in Massenproduktion. Dieses Körperhafte eines Buchstaben, die Austauschbarkeit der einzelnen Zeichen, wie auch die Möglichkeit des Aneinanderreihen solcher Schriftzeichen, die daraus resultierende inhaltliche Kommunikationsmöglichkeit oder Unmöglichkeit von Dritten und Vierten, das finde ich höchst anregend.

Als kleines Weihnachtsgeschenk hat BUSK auf seiner Internetseite derzeit ein ziemlich cooles Goodie zum gratis downloaden. Ein "paper toy", welches auf 15 Farbvarianten limitiert ist. Per Zufall gibt es eine Version (ähnlich dem Überraschungsei, nur ohne Schokolade).

Wie bist Du auf den Affen gekommen? (Anm. BUSK´s Affenkopfmotiv sieht man oft in Wien) Der schaut mir ähnlich. Große Nase, großer Mund.

Wie wählst Du deine Spots aus? Ich lasse mich überraschen, wenn ich an Orten, die ich täglich nutze vorbeikomme - mal in Ruhe bin - und plötzlich Details entdecke. So etwas passiert meistens gebündelt mit einer Idee. Das sind Zufälle, die kann ich nicht am Stadtplan herauslesen.

Ich war bei einer Aktion einer befreundeten Künstlergruppe dabei - dieses Projekt trägt den Namen Intervention F1. Dabei ging es um einen Spot, den man nur über Stadtplan oder Satellitenfotos, z. B. bei Google Maps überprüfen kann; das Ovaldach bei der U-Bahn-Station Hietzing. Da haben wir eine unendliche Straßenmarkierung aufgezeichnet. Diese Arbeit kann man nur über veröffentlichte Fotos oder Videos erfahren.

Also kann man auch gezielt vorgehen? Man kann auch mit Stadtplan vorgehen. Manche KünstlerInnen haben mit Hilfe von GPS (Global Positioning System) illustriert – wo die Abfolge der Koordinaten ein Gesamtbild in der Stadt ergibt. Das ist aber schon eine Metaebene, die man nur mehr mit Beschreibung versteht.

Interessiert Dich diese Metaebene in Deiner Arbeit? Irgendwie ja, die Busk-Cmod-Gasse (Anm. Cmod steht für „City Modification“) im zweiten Bezirk ist so ein Beispiel. Mir ist dieser namenlose Durchgang mit meiner damalige Freundin erst aufgefallen. In Wien hat alles und jeder einen Namen oder eine Adresse, diese Passage aber nicht. Da ist es nahe gelegen, diesen Noch-Nicht-Ort mit Schildern nach meinem Alter Ego zu benennen. Das Spannende daran ist, man bewegt sich mittendurch, von der Busk-Cmod-Gasse umgeben. Man wird zwar über die Schilder auf die Intervention aufmerksam gemacht, findet sich aber dann spontan in einem Meta-Raum (Meta-Raum = dynamisch im Bezug zu sich selbst und statisch im Bezug zum Subraum; Subraum = direkter Bezug zum Subjekt).

Ist Graffiti Street Art? Sydney Ogidan, der Veranstalter des Black River Festivals hat eine treffende Definition: „Im Unterschied zu Graffiti hat Street-Art den Anspruch, Kunst zu sein. Graffiti hatte nie den Anspruch, Kunst zu sein. Der Markt hatte diesen Anspruch.“

Was hältst Du von Graffiti im Museum? Was innen und außen angeht, das sind beides Räume. Wir bewegen uns alle in rechtlichen, politischen oder sonst irgendwelchen Territorien. Da ist es mir als Künstler egal, ob dieser Raum von Mauern oder Grenzen umschlossen ist. Es kommt darauf an, welchen Umgang man dort wählt.

Wie hast Du begonnen? Ich habe als Kind gerne Comics nachgezeichnet. Mit 11 oder 12 hab ich - mehr oder weniger - zufällig mit Graffiti begonnen.

Die Kunstfigur BUSK hat sich mittlerweile einen Namen gemacht... Na ja... Mit meinem bürgerlichen Namen gibt es Nichts. Da bin ich quasi nicht existent. Es gehört ein gewisser Urheber-Mythos zu Graffiti und Street Art. Diese Anonymität hat schon etwas sehr Schönes aber auch Nützliches.

Was heißt BUSK? Buskers sind Straßenkünstler im Englischen. Davon abgeleitet wurde BUSK zu meinem Namensprojekt. Straßenkünstler sammeln Spenden für ihre Darbietung, das ist einer der Unterschiede zu den Street Art-Graffiti-Artists, die keine Almosen bekommen.

Würde das, was Du machst, in einer anderen Stadt anders aussehen? Auf jeden Fall. Ich bin Wiener. Die Mentalität hier ist sehr speziell - nach fast 700 Jahren der Untertanengesellschaft. Auch topographisch gesehen ist Wien sehr speziell: ein zentraler, kleiner Stadtkern und rund herum siedelt sich das Leben an. Diese drei Faktoren beeinflussen den Stil und den Umgang mit einer Stadt. Berlin zum Beispiel funktioniert ganz anders. Die breiten Straßen oder die zugänglichen Dächer, gerade im Osten stehen andere Möglichkeiten zur Verfügung. In Wien braucht man nicht lange um wahrgenommen zu werden. Ein bisschen was im 7., dann im 4. und 5. Bezirk, schon glauben viele - du bist „all city“. Wien ist enger verbaut als Berlin, dafür auch einsichtiger von z.B. den AnrainerInnen. Da kann man sich nicht so einfach hinstellen und eine halbe Stunde malen.

Viele sehen in Graffiti die Zerstörung von Eigentum... Graffiti ist etwas sehr Subjektives, wie Schönheit. Es ist auch nicht meine Absicht einen Eigentumsanspruch in Frage zu stellen. Ich habe durch meine Arbeit den Begriff Eigentum überhaupt neu kennengelernt. Ich besitze vielleicht ein paar Fotos von meinen Arbeiten. Ich habe fast keine Leinwände, kein Atelier; meine Kunst gehört der Stadt. Das ist vielleicht der Anspruch, der mir als Straßenkünstler gefällt.

Du machst das also für die Stadt? Ich mach das schon in erster Linie für mich. Dass die Öffentlichkeit auch was davon hat, ist ein positiver (manchmal negativer (Anm. Strafverfolgung)) Nebeneffekt. Wenn eine Arbeit verschwindet, weil jemand das sein Eigen nennen will, ist ein bisschen wie eine Entgleisung oder Entführung. Es findet sich auf einem anderen Gleis wieder. Es nimmt mir niemand was weg. Dieses „es besitzen wollen“ ist leider so ein Übel in der Menschheit. Ich weiß, es wird nicht alles vom Regen weggewaschen, sondern manchmal gepflückt und hängt die nächsten Jahre wohltemperiert in einer Wohnung. Zum anderen produziere ich auch wenig Flachware, was für SammlerInnen eigentlich interessant ist. Ich möchte nicht nur Arbeiten haben, die für den Verkauf bestimmt sind.

Wurdest Du schon kopiert? Banksy hatte ein sehr sehr ähnliches Projekt 2010, wo er sich von einer Straßenkünstlerin in New York maskiert porträtieren hat lassen. Für das Black River Festival 2009 hab ich genau das gleiche ein halbes Jahr zuvor gemacht. Bei dieser Ausstellung waren auch Mitaussteller, die Banksy kennen sollen. Aber ich kann nicht sagen, ob er diese Aktion wissentlich kopiert hat oder einfach nur ähnlich gedacht hat. Das Ganze wurde im Netz stark diskutiert. Davon hab ich wiederum profitiert, denn er gehört zu den Top10 der Street-Art-Künstler und hat mich damit ins Gespräch gebracht.

Wie lief Deine letzte Ausstellung? (Anm. ESCAPE Urban Art Ausstellung im Oktober 2010) Sehr gut... Mich hat es gefreut, der einzige Aussteller zu sein, der sich mit dem Raum als solchen auseinandergesetzt hat. Meine Arbeit war ein ziemlicher Bruch zu den restlichen Beiträgen. Bei Ausstellungen interessiert mich im Moment ein raumspezifischer Eingriff mehr als Flachware, die man von A nach B oder D hängen kann. Mein Projekt „Perfect Conditions“ (Anm. Titel der Arbeit) war ein Bewegungsmelder, der zwischen zwei großen Formaten platziert wurde. Dieser bedient sich der Raumbeleuchtung. Wenn BesucherInnen sich durch den Ausstellungsraum bewegten, wurden die Lichtverhältnisse verändert. Dieser Raum in Bezug auf die Mitaussteller war temporär nicht mehr optimal. Es war ein Versuch, diesen Zauber von Idealisierung in Ausstellungsräumen zu nehmen.

Was würdest Du machen, wenn Du Dich einen Tag lang unsichtbar durch Wien bewegen könntest? Ich wäre eine mobile Überwachungskammera - würde beobachten, was sonst nicht möglich wäre. Ich nutze im Moment auf ähnliche Art und Weise meine Homepage. Dort wird bei jedem Refresh ein aktueller live-screenshots von einer öffentlichen Webcam aus Wien geladen. Was ich auch gerne nutze sind Onlinekäufe und die Selbstabholung. Da komme ich in Stadtteile zu Personen, die ich sonst nicht besuchen würde. Als Kunde/Käufer getarnt, bin ich auf eine gewisse Art und Weise Voyeur. Das ist schon interessant, was für Menschen man in welchen Lebensumständen trifft. Ich würde vielleicht auch einen Tag am Praterstern abhängen oder am Karlsplatz und Leute beobachten, wo du sonnst schnellen Schrittes vorbei gehst. Ich glaube es ist gut, dass es solche Orte noch an wichtigen Knotenpunkten der Stadt gibt. Die Verwaltung schafft es zum Glück nicht, die ganzen Problemzonen vom Stadtbild verschwinden zu lassen.

Foto: Markus Oberndorfer

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